Bienengifttherapie

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Die Bienengifttherapie in der Naturheilpraxis

 BieneGeschichtliches

Die Anwendung von Bienenstichen zu therapeutischen Zwecken reicht bis in die Antike zurück.               In China wie auch in Japan und Korea hat die Bienengifttherapie                                                         eine 3000 Jahre währende Tradition.

 Foto: Pedro Perez Gomez - www.curandote.com

 

Die Ureinwohner von Amerika hatten eine lange Erfahrung in der Anwendung von Bienenstichtherapie.

Hippokrates (460 – 370 v. Chr.), der berühmteste Arzt des Altertums, oder Galenius (129 n. Chr. -199 n. Chr.), griechischer Arzt und Naturforscher erwähnen in ihren Schriften die Verwendung des Bienengifts durch Aufsetzen der Bienen auf schmerzhafte Hautareale bei Rheuma und Gicht. Selbst bei Haarausfall wurde empfohlen tote Bienen zu verreiben und mit Honig zu mischen, um das Gemenge in die Kopfhaut einzumassieren.

Karl der Große und Iwan, der Schreckliche wurden durch Bienenstiche von der Gicht befreit.

Die Römer verwendeten Bienenstiche als potentes Schmerzmittel und auch im antiken Griechenland war es bekannt. Die Bienengifttherapie ist heute ein fester therapeutischer Bestandteil in China, Japan, Korea, Taiwan, Russland und in Osteuropa (besonders die alten Ostblockstaaten wie Bulgarien, Rumänien, Tschechei, Ungarn und Polen). Ebenso in einigen westlichen Staaten, wie Deutschland, Österreich, Schweiz und Frankreich gilt sie als probates Heilmittel. Auch in Südamerika erfreut sich die Bienengifttherapie zunehmender Beliebtheit.

In der Homöopathie hat es eine noch weitere Verbreitung in den Verreibungen von Apis mellifica, der ganzen Honigbiene erfahren.

In der Tat wurden Tiergifte von Schlangen, Spinnen, Skorpionen, Kröten und die Ameisensäure schon in der Antike in geringen Dosen zu Heilungszwecken bei verschiedensten Krankheiten verwendet. Eine besondere Rolle spielte dabei das Bienengift.

Paracelsus (1493- 1541, Arzt, Alchemist, Astrologie und Mystiker) sagte einst:

"Omnia sunt venena, nihil est sine veneno. Sola dosis facit venenum."

"Alle Ding' sind Gift und nichts ohn' Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist."

 


 

beevenomdilutionGewinnung von injizierbarem Bienengift (BG)

Bevor in den 1930-er Jahren zunehmend Versuche unternommen wurden injizierbares, standardisiertes Bienengift zu gewinnen war bis dahin die Bienenstichtherapie die einzige Methode. Dabei verliert die Biene den Stachel und stirbt 2-3 Tage später. Diese Methode wird immer noch gerne angewandt und ist auch etwas stärker als die Injektionen mit BG, da einige flüchtige Substanzen nach der Gewinnung nicht mehr vorhanden sind.

 

PinzetteSiebBienenstichtherapie ohne Verlust des Stachels 

Es gibt aber auch die Variante, die Biene durch eine feine Metallmembran stechen zu lassen, die so   engmaschig ist, dass der Stachel aufgrund seiner konischen Form nicht hängen bleibt. So wird auch etwas weniger Gift abgegeben und die Bienen bleiben am Leben.

 

Um standardisierbare Produkte zu erhalten und in der Therapie die zu injizierende Menge besser dosieren zu können gewinnt man heute das Gift mit speziellen Vorrichtungen, die an den Bienenstock angebracht werden.

Diese Sammelapparatur besteht aus einem Drahtgeflecht, das für einige Stunden täglich für wenige Tage vor den Einfluglöchern des Bienenstocks aufgespannt wird. Ein leichter Strom durchfließt diese Vorrichtung und reizt die Biene durch einen milden Stromschlag. Reflexartig sticht sie durch die feine Membran, die unter dem Drahtgeflecht angebracht ist. Das Gift tropft auf eine darunter liegende Glasplatte, wo es trocknet und dann abgeschabt wird. Das so erhaltene, kristalline Gift ist weiß bis gelblich und wird in Braunflaschen abgefüllt. Abgedunkelt ist es sehr lange haltbar. In dieser Form ist es sehr wärme- und kältestabil.

Für ein Gramm Bienengift werden ca. 10000 Bienen benötigt.

Um es für die Medizin zur Injektionstherapie verwendbar zu machen wird es in eine heiße, vorher autoklavierte, isotone Kochsalzlösung im Verhältnis 1 g Gift / 1l Lösung gegeben. Es wird danach durch einen sterilen Filter in sterile Ampullen abgefüllt.

Die beste Zeit Bienengift zu sammeln ist von Frühjahr bis Spätsommer, wenn reichlich Nektar und Pollen von Pflanzen in der Nähe des Bienenstocks zur Verfügung stehen. Am stärksten ist das Gift der 2-3 Wochen alten Bienen.

Inhaltstoffe und Wirkungsweise des Bienengifts

Bienengift ist reich an Enzymen, Peptiden und biogenen Aminen. Es besteht aus mindestens 18 verschiedenen pharmakologisch wirksamen Bestandteilen, von denen immer noch nicht alle vollständig erforscht sind.

Das Gift der gemeinen Honigbiene, apis mellifera, ist ein ganzer Cocktail aus wirksamen Substanzen, die in ihrer Gesamtheit die volle Wirkung zur Entfaltung bringen. Die letale Dosis LD50 des ganzen Bienengifts beträgt 2,85mg/kg Maus s.c. (Grenan et el., 1982),

Die mengenmäßig am stärksten vertretenen Inhaltstoffe sind jedoch nicht unbedingt die entscheidenden.                                                      Die Zusammenwirkung aller Einzelbestandteile erhöht die therapeutische Bandbreite.

Einige Bestandteile seien hier in Kürze erwähnt:

Mellitin:

- wirkt hämolytisch und wird deshalb als „direkter lytischer Faktor“ bezeichnet

- stärker antibakteriell als viele kommerzielle Pharmazeutika

- antiphlogistisch (entzündungshemmend)

- Stimulation des Hypophyse-Nebennierenrindensystems > Cortisolausschüttung

- Hemmung des Akutphaseproteins C3 des Komplementsystems, das Entzündungsprozesse auslöst und auch 

  bei Autoimmunerkrankungen erhöht ist.

- blutdrucksenkend

- wirksam gegen die Außenmembran der Borrelien; hemmt deren Beweglichkeit

- moderate antibakterielle und fungizide Wirkung (Dorman und Markley, 1971).

- vasokonstriktorische Wirkung auf (Korneva et al., 1976)

Phospholipase A2

- löst die Phospholipidmembran der Zellwände auf und bereitet die Angriffsfläche für Mellitin

Peptid 401 (Mastzelldegranulierendes Peptid)

- löst Gewebsmastzellen auf, die daraufhin ihren Inhalt ins Gewebe entlassen, wie z.B. Heparin, Histamin und Serotonin

- sehr stark entzündungshemmend, 100x effektiver als Hydrocortison                                                                             (http://staff-www.uni-marburg.de/~schachtj/BC_Web/Bedeutung.htm)

- blockiert die Bildung der entzündungsfördernden Arachidonsäure aus Linolsäure

- hemmt die Prostaglandinsynthese, welche u.a. für Entzündungsprozesse und die Schmerzleitung zuständig ist

- wirkt sedierend auf den Gefäßwandtonus der kleinen arteriellen Gefäße und dadurch blutdrucksenkend

- Erhöhung der Gefäßpermeabilität, (Habermann 1972)

Cardiopep

- erhöht die Kapazität des Myokards, beta-adrenerge Wirkung

- wirkt gegen Extrasystolen und stabilisiert den Herzrhythmus

- verhindert hypertone Krisen

- wirkt gegen Angina pectoris

Apamin:

- stimuliert die Freisetzung von körpereigenem Cortisol

wirkt

- antiphlogistisch

- antiarrhythmisch

Adolapin:

- antiphlogistisch

- stark analgetisch

- es hemmt die mikrosomale Cyclooxigenase (Cyclooxygenasen (COX) sind die wesentlichen Enzyme am Anfang der Prostaglandinsynthese aus Arachidonsäure)

- 70x stärker als das NSAR (Nicht Steroidales Anti - Rheumatikum) Indomethacin (bestätigt durch Shkenderov et al., 1986)

- thrombolytisch durch Verlangsamung der Thrombozytenaggregation,                                                                elektronenmikroskopische Nachweise bestätigten die gerinnungshemmende Wirkung.

Histamin: körpereigenes Gewebshormon, hat vielzählige physiologische Wirkungen u.a.:

- Permeabilität steigernd (gefäßerweiternd)

- wirkt allergen

Proteaseinhibitor:

- hemmt die Eiweiß abbauenden Peptidasen Chymotrypsin und Leucinaminopeptidase,

- hemmt die bradykinin- und histaminvermittelte Entzündungsreaktion

Hyaluronidase

- Enzym, das die Hyaluronsäure spaltet, „die Schere im Gewebe“,                                                                                       gilt als Feinverteilungsfaktor der anderen Fraktionen

- antifibröse Wirkung, weshalb es auch gegen Narben eingesetzt wird

fast die Hälfte (zw. 40 und 50%) des Trockengewichts des Bienengifts macht die Fraktion aus, die als Mellitin bekannt ist.

Lubke und Garon (1977) fanden heraus, dass die Spirochäte, Borrellia burgdorferi, welche dieLyme –Krankheit verursacht, höchst empfindlich auf die Wirkung von Mellitin reagiert.

Mellitin ist in hohem Maße hämolytisch und ist sogar in kleinen Mengen wirksam auf die Lipid- Doppelschicht der Zellmembran (Banks und Shipolini 1986). Diese Fraktion kann Mikro- und Makrohämorrhagien in Geweben und inneren Organen auslösen. Therapeutisch kann es genutzt werden, um die fibrinolytische Eigenschaft des Blutes zu intensivieren und damit präthrombotische Zustände zu beseitigen.

Beim Stich einer Biene oder nach gezielter Applikation von Bienengift ist kurze Zeit nach Eintritt der Wirkung ein kleiner roter Punkt inmitten der Schwellung zu erkennen, der sich je nach Dosis und Reaktion des Körpers vergrößern kann und der die hämolytische Wirkung zeigt.

Mellitin wirkt synergistisch mit Phospholipase A2 auf Phospholipidstrukturen, welche ein Hauptbestandteil von Zellmembranen sind. Bei Kontakt mit der Zellmembran mit PLA2 entstehen Lysolecithin und Fettsäuren, die wiederum die Wirkung von PLA2 verstärken und die Desorganisation der Phospholipid-Doppelschicht der Zellmembran beschleunigen (Urtubey, 2005). Mellitin hat ebenfalls große Affinität auf die Zellmembranen.

Zellen, die aus ihrem physiologischen Verbund heraus gefallen sind weil deren Verbindungen zu ihren benachbarten Zellen beschädigt oder verloren gegangen sind, sind besonders anfällig auf die Wirkung von Mellitin.

Verschiedene Verbindungen zwischen Zellen werden durch membranständige Proteine gebildet. Es sind dies Strukturen, sogenannte Desmosomen, tight junctions (dichte Versiegelung zur Außenwelt bzw. zum Interzellulärraum), Adhärenzverbindungen (Verankerung mit den Aktinmikrofilamentstrukturen im Zytoplasma), sowie die gap junctions (Zell-Zell-Kanäle), die die Zellen im Verbund halten.

Gap junctions sind Verbindungen zwischen Zellen, die eine chemische Kommunikation zulassen. Diese Kanäle ermöglichen den Austausch von niedermolekularen Stoffen und Ionen und dienen dadurch der Regulation des Zellstoffwechsels im Sinne der Aufgaben eines spezifischen Zellverbandes.

Von Krebszellen wissen wir, dass sie dem direkten Einfluss dieser regulativen Zell-zu-Zellkommunikation nicht mehr unterliegen, aus dem Zellverband herausgelöst sind und mitunter deshalb mutieren.

Zwei australische Forscher, Dr. Jerome Werkmeister und Dr. Dean Hewish, haben die antitumorale Wirkung von Mellitin nachgewiesen.

(Australien, CSIRO, Molecular Science, 2002, http://www.csiro.au/files/mediaRelease/mr2002/prlifesciences.htm)

Der hohe Gehalt von Glycerolipid in der Zellmembran von Tumorzellen erleichtert die Entfaltung der Wirkung von PLA2 und seiner Derivate. (Urtubey 2005).

PLA2 trägt bei relativ gesunden, funktionalen Zellen zur Zellwanderneuerung bei, während degenerierte Zellen, die ihre Regulation verloren haben, zu Grunde gehen. Eine uneingeschränkt schädigende Wirkung von PLA2 auf die gesunde Zelle besteht nicht, da intrazelluläre Regelmechanismen dies verhindern.

Degenerierte Zellen, deren elektrische Membranpotentiale abgesunken sind und die nur noch unzureichend oder gar nicht mehr über diese Regulationsmechanismen verfügen, sind dem zerstörerischen Einfluss von Mellitin und PLA2 auf die Zellmembrane ausgeliefert.

Interessant ist, dass die LD50 des ganzen Bienengifts bei 2,85mg/kg Maus subkutaner (s.c.) Injektion liegt;während die durchschnittliche tödliche Dosis (LD50) von Mellitin bei 4mg/kg Maus s.c. und von PLA2 sogar bei 7,5mg/kg Maus intravenös (i.v.) liegt. Beim Peptid 401 liegt die LD50 sogar bei 40mg/kg bei intravenöser Verabfolgung (R.C. Hider, Endeavour, New Series, 1988).

Daraus lässt sich ableiten, dass die einzelnen Fraktionen synergistisch wirken. Manche wirken auch antagonistisch und verhindern größeren Schaden. So hat z.B. Heparin eine neutralisierende Wirkung auf die toxisch wirkenden Proteine des Bienengifts. Heparin erhöht außerdem die Freisetzung von Diaminoxidase, welche wiederum Histamin abbaut (Maslinski, 1975). Einige Substanzen bahnen den Weg durch das Gewebe, wie z.B. Hyaluronidase, und sorgen für andere Fraktionen, z.B. PLA2 oder Mellitin für mehr Angriffsfläche.

Bedenkt man, dass die Bienen kein Interesse daran haben, dass ein Feind durch ihre Stiche direkt am oder innerhalb des Bienenstocks tot umfallen, was zu einem akuten Entsorgungsproblem führen würde.

Somit wird auch klar, warum einerseits die Dosis und andererseits die im Bienengift teilweise antagonistisch wirkenden Substanzen Sinn machen. Etwaigen Feinden sollte zumindest noch die Flucht gelingen.

Obgleich die analytische Fraktionierung des BG zu wissenschaftlichen Untersuchungen interessant ist und viele neue Erkenntnisse der Physiologie/Pathophysiologie erbracht hat, so ist es dennoch der gesamte Komplex aller Bestandteile des BG, der bei richtiger Dosierung therapeutisch wirksam ist.

Hauptrichtungen:

Die homöopathische Arzneimittellehre beschreibt folgende Hauptrichtungen, die den offensichtlichen Symptomen nach einem Bienenstich entsprechen:

- exsudative Entzündung mit

- ödematöser Schwellung durch starke Zunahme der Permeabilität der Kapillaren und der kleinen Venen mit und ohne Exanthem

auf

- die äußeren Häuten und Schleimhäuten von Mund-Rachen-Bronchien und Verdauungstrakt, Augen und Mittelohr, Urogenitaltrakt

- die seröse Häute wie Bauchfell, Meningen, Perikard und Pleura

- die Synovia der Gelenke

- den rheumatischer Formenkreis, entzündlich, degenerativ oder stoffwechselbedingt

- hämolytische Wirkung

- Aufhebung der Blutgerinnung

- thrombolytische Wirkung

- blutdrucksenkende und kardiotone Wirkung

- neurotoxische Wirkung

- lokal zellgewebsschädigende Wirkung mit lokaler Nekrose von Gewebe

- Hyperämie der Haut

Interessant sind auch die Ausführungen Rudolf Steiners zum Wesen der Bienen und speziell der Wirkung des Bienengifts auf den Menschen. Er sieht in der Wirkung des Giftes einen Einfluss auf die Ich-Organisation, welche wiederum mit dem Herz-Kreislaufsystem und dem Blut, vornehmlich den Erythrozyten, in Zusammenhang steht und zu den klassischen Indikationen von BG-Therapie gehört. Diesbezüglich auffällig sind die deutliche Verbesserung des Blutbildes und dessen Fluidität bei der dunkelfeldmikroskopischen Untersuchung von Vitalblut bei Patienten, die über längere Zeit regelmäßig Bienengiftinjektionen erhalten haben.

Bezüglich einer schwachen Ich-Organisation – inwieweit ein Mensch bei sich ist - zeigt sich auch in der Indikation für apis mellifica bei dem Symptom „EIFERSUCHT“, das bei J.T. Kent zweiwertig ist und von vielen homöopathischen Schulen bestätigt wird. Dazu gehören auch die Symptome Unruhe, emotionale Unausgeglichenheit mit Wut, Angst und Kummer.

Bezüglich der Anwendung in der Praxis unterscheiden sich die Indikationen eindeutig in der Dosis.

D.h. ein Symptom, das in der homöopathischen Literatur angegeben wird, wie beispielsweise akute Nierenentzündung, darf begleitend zu anderen Maßnahmen auch nur homöopathisch mit apis mellifica behandelt werden und nicht mit dem puren Bienengift via Injektion.

 

In der Praxis wurden gute Wirkungen beobachtet bei

Verletzungen des Sehnen- und Bänderapparates

chron. Polyarthritis, durch die stark entzündungshemmende Wirkung

rheumatischem Formenkreis

erhöhtem Blutdruck

Blutstau, Verbesserung der Blutzirkulation

Immunschwäche, Stimulierung des Immunsystems

Nebennierenrindenschwäche, Anregung des Hypophysen – Nebennierenrindensystems

Warzen und Narben, welche eingeschmolzen werden können

Herpes zoster, Gürtelrose

Psoriasis

chronischen Entzündungsprozessen, überführt in einen akuten Zustand

Borreliose

 

Außerdem wurden folgende Eigenschaften nachgewiesen:

analgetisch

antibiotisch, antiviral, fungizid

antiphlogistisch

antioxidativ

radioprotektiv, zeigt sich in der wesentlich besseren Verträglichkeit von Bestrahlungen

antidepressiv

allgemein stärkend

Das Nationalinstitut für Allergien und Infektionskrankheiten in Hamilton, Montana, USA, unternahm Versuche die Wirkungsweise von Mellitin auf Borrelien nachzuweisen und kam zu folgendem Schluss:

„Die Behandlung von Borrelia burgdorferi - Kulturen mit Mellitin zeigte sofortige und profund hemmende Wirkung unter dunkelfeldmikroskopischer Beobachtung und optischer Dichtemessung. Weiterhin konnte beobachtet werden, dass unter Zugabe von 100 μg/ml Mellitin nahezu jegliche Beweglichkeit der Spirochäten aufhörten. Elektronenmikroskopische Untersuchungen ergaben eindeutige Veränderungen in der Oberfläche der Außenmembran der Spirochäten“. Lubke und Garon machten schon 1977 ähnliche Beobachtungen.

Die Tatsache, dass Bienengift und die enthaltenen Enzyme alte, chronische und teilweise auch versteckte Krankheitsherde aufdeckt und in die akute Phase überführt, wird in der Praxis immer wieder beobachtet.

Die Patienten können innerhalb von Stunden Fieber und grippeähnliche Symptome entwickeln und berichten häufig von Schmerzen an Körperzonen und alten Verletzungen, wie Knochenbrüche, Zerrungen oder Ausschläge, die vor Jahren Probleme machten und durch suppressive Maßnahmen nach innen zurückgedrängt wurden oder aus anderen Gründen nicht richtig ausheilen konnten. Diese plötzlich auftretenden Fernsymptome können die eigentlichen Störfelder der momentanen Beschwerden sein, weswegen der Patient in die Praxis kommt. Es lohnt sich auch diese Areale oder Punkte mitzubehandeln.

Diese Beschwerden kommen jetzt für meist nur kurze Zeit wieder an die Oberfläche, worauf dann eine deutliche Verbesserung der zu behandelnden Krankheit und der wieder aufgeflammten Beschwerden zu beobachten ist.

 

Anamnese: akut oder chronisch 

Am Anfang einer jeden Behandlung steht eine profunde Anamnese mit anschließender Diagnose.

Der deutsche Internist und Nephrologe Dr. Franz Volhard (1882 -1950) prägte den Spruch:

„Vor die Therapie haben die Götter die Diagnose gesetzt……aber jede Diagnose bleibt Geschwätz, solange sie nicht therapeutisch weiterhilft!

Oft ist die eindeutige Diagnose jedoch nicht zu stellen, da besonders der in der Naturheilpraxis arbeitende Therapeut sich mit einer Vielzahl sich teilweise überlappender Symptome bzw. Syndrome konfrontiert sieht, die mehrfach von verschiedener Seite antherapiert wurden.

Anamnese, auch Familienanamnese und eine körperliche Untersuchung nach den Regeln der Kunst können wertvolle Hinweise liefern, in welche Richtung die Diagnose geht. Eine besondere Aufmerksamkeit verdient die Physiognomie. Falten und Färbung des Gesichts und die Beachtung der Körpersymetrie geben Auskunft auf beteiligte Organsysteme und den Gemütszustand. Selbst der erste Händedruck vermittelt einen Eindruck vom energetischen Zustand des Patienten.

In der Bienengifttherapie sollte zunächst das Augenmerk darauf liegen, ob es sich um einen akuten oder um einen chronischen Zustand handelt.

Akute Krankheitszeichen im muskuloskelettalen System treten meistens plötzlich nach Überlastung oder mechanischem Trauma mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen auf. Normalerweise sind diese Formen auf Symptome in bestimmten, klar umrissenen Körperstellen beschränkt, z.B. als Tennisellenbogen, Sehnenentzündung, Schleimbeutelentzündung an einzelnen Gelenken, Gichtanfall und Ischialgien, etc.

Häufig sprechen diese Fälle schnell und nachhaltig auf die Bienengifttherapie an.

Chronische Beschwerden beispielsweise aus dem rheumatischen Formenkreis, Arthrithiden und die Spondylitis ankylosans, zu denen der Morbus Bechterew gehört, reagieren langsam und oft erst nach einer Anlaufzeit von mehreren Sitzungen. Hier empfiehlt sich bei diesen Patienten die zusätzliche Gabe von Spenglersan Kolloid T oder das Sanum-Präparat Nigersan mit Citrokehl als Mischinjektion oder oral in individueller Dosierung.

Bei diesen chronischen Formen ist außerdem auffällig, dass die Bienengiftinjektionen in den ersten Sitzungen wenig oder gar keine Schmerzen und Schwellungen auslösen. Darauf folgt irgendwann im Laufe der nächsten Sitzungen eine plötzliche Verschlimmerung der Beschwerden manchmal begleitet mit der kurzzeitigen Symptomatik eines grippalen Infektes. Die Einstichstelle kann jetzt verstärkt lokale Schmerzen und eine vorher nicht beobachtete, stärkere Schwellung auslösen. Dies ist der Moment in dem der Organismus aus seiner Reaktionsstarre erwacht und der Heilungsprozess eingeleitet wird.

Von diesem Zeitpunkt an kann man größere therapeutische Fortschritte erwarten.

Leider lassen sich hier oft Patient und auch Therapeut von diesen Reaktionen entmutigen und stellen die Therapie in Frage, da nicht erkannt wird, dass dies der Auftakt zur Besserung ist. Die besten Resultate werden erzielt, wenn man nach dieser Phase vermehrter Reaktionen weitertherapiert.

Bodog F. Beck ist in seinem grundlegenden Buch zur Bienengifttherapie, “The bible of bee venom therapy“,sehr ausführlich auf diesen undulierenden Kurvenverlauf im Heilungsprozess eingegangen.

Sollte ein bestimmtes Areal über längere Zeit nicht auf die Therapie ansprechen, so empfiehlt sich die Behandlung entfernter Akupunkturpunkte mit Bezug zur Schmerzregion (siehe dazu Grundlagen der Akupunktur). Häufig lassen sich durch solche Fernpunkte Reaktionen in der gewünschten Körperzone erreichen.

Der Schmerz des Bienenstichs bzw. der Bienengiftinjektion hält nur ca. 2 min. an, wonach eine wohltuende Wärme das Areal durchströmt, verursacht durch die vermehrte Durchblutung der vasodilatatorischen Eigenschaften einiger Inhaltstoffe, (Homöopatie: „erträgt keine [zusätzliche] Hitze“).

Durch diese gefäßerweiternde Wirkung werden vermehrt Abwehrzellen wie Leukozyten vom B- und T-Zelltyp sowie entsprechende Substanzen, wie z.B. Cortisol, das zur Schmerzlinderung beiträgt und körpereigenes Interferon, das stimulierend auf das Immunsystem wirkt, ins Versorgungsgebiet transportiert.

Auf schmerzlindernde Salben sollte verzichtet werden, da sie die Heilwirkung sabotieren würden. Ein sehr starker Schmerz kann durch Auflegen von Eis oder durch sanftes Bürsten gelindert werden.

Bei zu starker Reaktion kann mit Propolistinktur, die auf die Einstichstelle gerieben wird, eine Linderung und Abschwächung erreicht werden, da Propolis ein natürliches Gegenmittel gegen Bienengift ist.

Das degenerierte Gewebe ist arm an Blutgefäßen, was ein wesentlicher Grund der Degeneration ist. Deshalb ist es auch arm an körpereigenen Substanzen, die einer Heilung dienlich wären. Gleichzeitig wird ein schlecht versorgter Interzellularraum (Pischingerraum) auch besonders schlecht von Stoffwechselschlacken entsorgt, was unter Flüssigkeitsmangel vor Ort zur Auskristallisierung oder mindestens zur Eindickung dieser Schlacken führt.

Aus einem physiologischen Solzustand im Interzellularraum wird ein pathologischer Gelzustand mit der Folge von Schmerz und zunehmender Übersäuerung des Gewebes. Hier können auch keine Gewebsmakrophagen mehr einwandern, um die Stoffwechselreste abzubauen und der Lymphe zuzuführen. Ein physiologisches Zwischenlager wird zum Endlager. Ablagerungen von organischen Fettsäuren aus dem Zellstoffwechsel und exogene Giftstoffe und Schwermetalle finden sich gerne im Fett- und Bindegewebe, aber auch in Gelenken, da sie dort den Organismus bei seiner Alltagsbewältigung nicht stören. Da die Ernährung des Knorpels der Gelenksoberfläche durch Diffusion stattfindet wird diese durch Verschlackung blockiert. Das ist eine wichtige Grundlage für arthrotische Gelenksveränderungen. Durch die Verschlechterung der regulativ wirkenden Zell-zu Zellkommunikation und der mangelnden Nährstoff- und Sauerstoffversorgung kommt es zur Funktionsminderung der Zellen.

In dem mit Bienengift behandelten Gewebe kommt es zur verstärkten Durchblutung mit Aussprossung von Anastomosen. Durch die erhöhte Permeabilität der Gefäße mit vermehrter Flüssigkeitszufuhr in den Interzellularraum kommt es zur Mobilisierung von Schlackenstoffen. Dies führt zu einer Revitalisierung des degenerierten Gewebes, wovon sogar arthrotische Gelenke profitieren können, vorausgesetzt dass der Substanzverlust des Knorpels durch mechanische Überbeanspruchung nicht zu weit fortgeschritten ist.

Die Bildung von Anastomosen kommt aber auch dem kardiovaskulären System zu Gute, weil bei artherosklerotisch veränderten Gefäßwänden der Blutdruck durch die entstehenden Umgehungskreisläufe gesenkt werden kann.

Durch das Präparat Spenglersan Kolloid A kann dieser Effekt unterstützt werden.

 

Zusätzliche diätetische Maßnahmen

Da eine Bienengifttherapie eine ganzheitliche Umstimmung des Gesamtorganismus bedeutet, ist wie bei jeder

tief greifenden Therapie mit verstärkter Mobilisierung von Abfallstoffen in den Blutkreislauf zu rechnen.

Durch die Wiederbelebung des lokalen Gewebes, sowie des gesamten Organismus kommt es zu einer erhöhten Ausscheidung toxischer Substanzen, die der Leber zugeführt werden. Je nach Beschaffenheit werden sie wasserlöslich und damit nierengängig gemacht oder fettlöslich und damit gallengängig in den Darm ausgeschieden. Auf der Haut können ebenfalls Effloreszenzen und akneähnliche Ausscheidungsvorgänge auftreten.

Um dieser verstärkten Flut von Giften begegnen zu können, empfiehlt es sich schon 4 Wochen vor Beginn der Bienengifttherapie eine vorbereitende Entgiftungskur zu machen, damit die Ausscheidungsorgane gereinigt und gestärkt werden, ohne sie im Verlauf der Therapie zu überlasten.

Eine Reihe von Heilpflanzen, als Tee oder Tinktur in Wasser aufgelöst, bieten sich hierfür an.

zur Leber-Gallereinigung:

Löwenzahnkraut und –wurzel, taraxacum off. radix et. folilo

Mariendistelkraut und –samen, carduus marianus folio et. fructus

Artischocke, cynara scolymus

zur Nierenreinigung:

Goldrute, solidago virgaurea

Brennessel, urtica urea

Birkenblätter, betula pendula

Blut und Lymphreinigung

Bockshornklee, trigonella foenum graecum

Klettenlabkraut, galium aparine

Sarsaparilla, smilax glabra

 

Es empfiehlt sich diese Phytotherapeutika während der Therapie weiterhin einzunehmen, jedoch ein Mittel nicht länger als 4 Wochen bzw. die Heilpflanzen abzuwechseln und insgesamt die Trinkmenge zu erhöhen.

Die Dosierung kann stark variieren und ist sorgfältig an den zu behandelnden Patienten anzupassen.

Während der Behandlung mit Bienengift ist zusätzlich die Einnahme von Vit. C in Form von Ascorbinsäure Tbl. oder als Infusion hilfreich. Vitamin C verstärkt die Kollagenbildung im lockeren Bindegewebe und führt zur Stabilisierung der Gefäßwände. Dadurch wird die durch das Bienengift gesteigerte Gefäßpermeabilität begrenzt.

Ebenso kann die Einnahme von Rutinen (natürlich vorkommende Flavonoide), die nachweislich gefäßwandstabilisierende Effekte zeigen, nützlich sein. Sie sind in folgenden Pflanzen enthalten:

 

Buchweizenkraut (fagopyrum esculentum),

wildes Stiefmütterchen (viola tricolor),

Weiße Maulbeere (morus alba)

In klinischen Studien wurde die Wirksamkeit von Rutin bei Schwangerschaftsödemen bestätigt.

Rutosid (Rutin) und Troxerutin sind als Wirkstoff in Antihämorrhagika und Venentherapeutika zugelassen.

Als ganzheitlich orientierte Nahrungsergänzung zur Bewältigung von Toxinen unterschiedlicher Genese, die durch die Therapie aus den tiefen Schichten des Interzellularraumes herausgeschleust werden, eignet sich in besonderer Weise die Zufuhr hochwertiger Nähr-und Vitalstoffe in Form von in Honig gelösten Pollen.

Hier ist besonders auf Qualität zu achten. Pollen sind reich an Proteinen, verschiedensten Enzymen, Mineralien und Vitaminen, sowie diversen Fettsäuren; alles Stoffe, die der Körper im Prozess einer Umstimmung und Reinigung dringend benötigt.

Eine solche Mischung erhält man, wenn man Pollen in flüssigem Honig im Verhältnis 1:3 mischt.

Tägliches mehrmaliges Wenden des Glases hilft die Pollen im Honig zu verteilen bis sie sich ganz aufgelöst haben. Von dieser Mischung nimmt man täglich 1-3 Teelöffel zu sich.

Eigentlich müssten Honig, wie auch Pollen in verdunkelten Gefäßen gehandelt werden, um einer vorzeitigen Zersetzung von Vitalstoffen und des im Honig enthaltenen, antibakteriell wirksamen Wasserstoffperoxids, durch Sonneneinstrahlung entgegenzuwirken.

Anwendungsformen der Bienengiftinjektionen

Es bieten sich verschiedene Anwendungsformen der Bienengiftinjektion an.

Die intrakutane Inj. kommt dem Bienenstich in der Wirkung am nächsten. Die intrakutane Quaddelung hat den Vorteil über den kutiviszeralen Reflexbogen neben einer lokalen Wirkung auch innere Organe anzusprechen.

Die Wirkungsweise des kutiviszeralen bzw. des viszerokutanen Reflexbogens beschreibt u.a.

A. Schterbak. Er bezeichnet die Haut als Resonanzschirm, dessen vegetative Nervenfasern und Ganglien des autonomen Nervensystems mit den zerebrospinalen Anteilen des Rückenmarks und des Hirnstamms verbunden sind und neurale Antworten auf periphere Reize in tiefer gelegene Schichten und Organe projiziert.

Subkutane Injektionen werden angewendet, um eine eher lokale Wirkung zu erreichen. Gelegentlich kommen intraartikuläre (i.a.) Injektionen mit Bienengift zum Zuge, nämlich wenn speziell ein Gelenk behandelt werden soll; beispielsweise ein Interphalangealgelenk bei chronischer Polyarthritis.

Intramuskuläre Injektionen finden selten Anwendung, jedoch gelegentlich in der Behandlung von Multiple Sklerose (MS).

Die intrakutane Injektion hat sich neben der subkutanen Injektion aber eindeutig am besten bewährt und übertrifft erfahrungsgemäß die anderen Anwendungsformen meist bei weitem. Man kann eben auch intrakutan durch die Wirkung der Bienengiftbestandteile tiefere Gewebsschichten therapeutisch beeinflussen. Abgesehen davon haben wir ein erhöhtes der Verletzung der Gelenkinnenflächen bei i.a. -Injektionen.

Anatomische und neurologische Zusammenhänge

Intrakutan, meint streng genommen, in die gefäßreiche Dermis (Lederhaut, Korium), die die gefäßlose und nervenarme Epidermis (Oberhaut) mit der darunter liegenden Subkutis (Unterhaut) verbindet. Die Subkutis führt die kräftigeren Gefäße und Nerven an die Lederhaut heran, in welche sie sich mit feinsten Arteriolen und Venolen sowie mit sensiblen freien Nervenendigungen hinein verzweigen.

Nozizeptoren, welche die Rezeptoren der Schmerzleitung sind, befinden sich an freien Nervenenden von afferenten A-delta -Fasern (schnellleitend, reagieren vorwiegend auf thermische oder mechanische Reize)

und den C-Fasern (langsamleitend, reagieren vorwiegend auf chemische Reize). Sie lösen bei Verletzung oder Injektion einen elektrischen Reiz aus. Dieser setzt sich über die afferenten (afferent= von der Peripherie nach ZNS), sensiblen Nervenfasern, deren pseudounipolare Neurone in den Spinalganglien liegen, fort und gelangt zum Hinterhorn des Rückenmarks.

Die Gewebeschädigung (in diesem Fall durch Stich oder i.c. Inj.) setzt zunächst nachfolgend eine Kaskade biochemischer Abläufe in Gang. Sie bewirkt in der Lederhaut die Freisetzung der Gewebshormone Bradikinin und Prostaglandin, die von spezialisierten Einzelzellen sezerniert werden und die Nozizeptoren stimulieren.

Die Stimulierung der Nozizeptoren wiederum veranlasst diese zur Ausschüttung von CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) und der Substanz P(früher für powder, später für pain), beides Neuropeptide, die in Vesikeln der peripheren Enden der C-Fasern gespeichert werden.

CGRP, das zu den am stärksten vasodilatativ wirkenden Substanzen zählt und Substanz P, das permeabilitätssteigernd wirkt, verursachen eine lokale Ödembildung. Außerdem verursacht Substanz P die Degranulierung der benachbarten Mastzellen, was sehr an die Wirkung des im Bienengift enthaltenen

Peptids 401 (Mastzelldegranulierendes Peptid) erinnert.

Das dadurch freigesetzte Histamin wirkt direkt exzitatorisch, nach dem Motto: was zuviel ist, ist zuviel.

Der Schwellenwert zur Reizleitung ist erreicht, das Aktionspotential voll und der Nerv feuert Signale in Richtung Hinterhorn. Dort werden die Signale zum Vorderseitenstrang der gleichen oder der gegenüberliegenden Seite des Rückenmarks umgeschaltet, nach oben zum Thalamus geleitet und dann nach weiterer Umschaltung im somatosensorischen Kortex des Großhirns bewusst gemacht.

Es besteht aber auch der Zusammenhang, dass es direkt auf segmentaler Ebene zu einer Umschaltung der peripheren Reize zum Vorderhorn und zur efferenten (efferent= von ZNS nach Peripherie) Projektion in das zugehörige Organsystem kommt.

Hier unterscheidet man in Viszerotome (Organe), Myotome (Muskeln), Neurotome (Nerven), Angiotome (Gefäße) und Sklerotome (aus den Ursegmenten hervorgehende Anlage der Wirbelsäule, z.B. das Periost).

Sie bezeichnen all die beteiligten Strukturen, die in reflektorischer Wechselwirkung zu den Primärreizen stehen.In der Segmenttherapie spricht man von einem segmental-regulatorischen Komplex.

Die Bahnung dieser viszeromotorischen Efferenzen verläuft dabei über das Vorderhorn und von dort über die rami communicantes albi zu den sympathischen Grenzstrangganglien. Hier werden sie entweder umgeschaltet und laufen als rami communcantes griseus zurück zum Spinalnerven, um mit ihm in die Peripherie zu den Hautgefäßen und –drüsen zu ziehen, oder sie erreichen ohne Umschaltung im Grenzstrang die prävertebralen Ganglien, die den nach geschalteten Strukturen oder Erfolgsorganen vorgelagert sind, auf die sie letztlich Einfluss nehmen.

Gleichwohl kann beobachtet werden, dass viszerale Reize aus den Organen ihre Projektionsfelder auf der Haut haben, die man Headsche Zonen nennt. Sie beeinflussen die sensible Empfindlichkeit der Haut und den Muskeltonus der oberflächlichen Gefäße und damit die Durchblutung des entsprechenden Segments.

Das hängt teilweise damit zusammen, dass das Gehirn die Schmerzsignale aus dem Körperinneren falsch zuordnet und in die, dem Ursprungsort zugeordneten Dermatome, projiziert.

Der Veterinärmediziner Prof. Dr. Oswald Kothbauer hat in Versuchen diese Zusammenhänge bestätigt.

Er brachte in den Uterus gesunder Kühe eine geringe Menge stark reizender Lösung ein, woraufhin sich innerhalb von Sekunden das korrespondierende Hautareal stark rötete. Unbehandelt blieb dieses Phänomen und ein stark herabgesetzter elektrischer Hautwiderstand mit erhöhter Schmerzempfindlichkeit erhalten. Die Injektion von Procain in diese hyperalgetischen Punkte löschte sofort den Schmerz nachhaltig und ließ gleichzeitig das in Mitleidenschaft gezogene Organ gesunden.

Dieser Zusammenhang hat sich in der Praxis vielfach bestätigt und wird auch bei verschiedenen Therapieformen genutzt, wie bspw. bei Moxibustion, Schröpfen, Baunscheidtieren, Akupunktur - Ohrakupuktur, Shiatsu oder Akupressur und Reflexzonenmassagen. Auch bei allen thermischen Anwendungen kann auf innere Organe Einfluss genommen werden.

Anwendung

Zuallererst muss getestet werden, ob der Patient an einer Bienengiftallergie leidet. Das kann entweder aus der Anamnese hervorgehen, bei angeborener oder erworbener Allergie, oder es ist durch verschiedene Testverfahren, wie der Kinesiologie, dem Vega – Test oder andere apparative Testverfahren festzustellen.

Die beabsichtigten Injektionsstellen sollten evtl. mit Seifenlauge gereinigt werden, um Schweiß und Schmutz zu beseitigen. Eine Desinfektion mit den üblichen Mitteln, die vor jeder Injektion beachtet werden soll ist bei der Bienengifttherapie unnötig, da das Gift als solches schon antimikrobiell wirkt. Außerdem ist eine alkoholische Desinfektionslösung kontraproduktiv, weil es die Wirkung des Bienengifts teilweise aufhebt.

Bei gutem Allgemeinzustand des Patienten zieht man eine sehr geringe Dosis, ca. 0,03-0,05 ml (0,1ml = 1 Bienenstichäquivalent) evtl. im Verhältnis 1:2 mit Procain oder Lidocain in eine Insulinspritze auf.

Für die Testinjektion wählt man dann den Akupunkturpunkt Blase 52 aus, der auf Höhe des 2. Lendenwirbels

ca. 4-fingerbreit vom processus spinosus zu finden ist.

Eine feine MicroLance-Kanüle wird im 30° mit dem Schliff nach oben angesetzt und direkt unter die Haut geschoben. Wenn die Nadel richtig intrakutan liegt, entsteht die Quaddel. Wenn keine Quaddel erscheint, befindet man sich subkutan.

Der Punkt Blase 52 bewirkt über den kutiviszeralen Reflex eine Stimulierung der Nebennieren und gibt damit einen Impuls zur Ausschüttung des körpereigenen Glucokortikoids, Kortisol aus der Nebennierenrinde, sowie des Adrenalins und Noradrenalins aus den chromaffinen Zellen des Nebennierenmarks. Sie unterdrücken allergische und entzündliche Reaktionen und wirken hier einer eventuell sich anbahnenden, anaphylaktischen Reaktion entgegen.

Nach unauffälliger, physiologischer Haut- und Körperreaktion geht man in den folgenden Sitzungen langsam mit dem Verdünnungsgrad zurück, bis das Bienengift nur noch pur verabreicht wird.

Die Dosis ist individuell anzupassen. Grundsätzlich ist ein langsamer Beginn von Vorteil, wobei anfänglich von einmal pro Woche auf bis zu 3x wöchentlich behandelt werden kann - mit steigender Dosis bis zu 1,0 ml. Nach Besserung der Beschwerden behält man zunächst die Dosis für 2-3 Sitzungen bei. Danach wird langsam sowohl die Frequenz, als auch die zu injizierende Menge

reduziert. Der Zeitraum eines Behandlungszyklus kann stark variieren. Bei akuten Beschwerden kann eine Behandlung von 3-5 Injektionen ausreichen. Zur Aufrechterhaltung eines guten Allgemeinzustandes bei schwerer chronischer Krankheit, wie der Multiplen Sklerose oder der ALS, der amyothrophen Lateralsklerose, kann eine jahrelange, regelmäßiger Wiederholung im monatlichen Abstand notwendig sein.

Auswahl der Injektionsstelle

Ebenso wie wir durch gezielte Auswahl des Injektionsortes ein bestimmtes Organsystem oder einen Funktionskreis ansprechen wollen, so können wir diese Zusammenhänge der Reflexzonen auch als Diagnostikum verwenden.

Schmerzen an bestimmten Arealen, Dermatomen, können Hinweise liefern, welche Strukturen und Organe an peripheren Schmerzen beteiligt sein können. Eine genaue Zuordnung zu den einzelnen Spinalnerven ist nur schlecht möglich, da sich deren Wirkungsbereiche in der Haut stark überlappen. Das bezieht sich auf Berührungsreize jedoch stärker als auf Schmerz- und Temperaturreize. Durch die Palpation der Wirbelkörper finden sich jedoch oft Fehlstellungen, die zwar teilweise nur minimal sein können, aber diagnostische Hinweise liefern und in Bezug auf die Interpretation der benachbarten Akupunkturpunkte Anhaltspunkte geben.

Die Auswahl der zu behandelnden Punkte lässt sich einfach eruieren. Entweder geben die Patienten konkret Schmerzpunkte an oder man findet sie mittels Druckpunktmassage in den entsprechend vom Patienten beschriebenen Bezirken. Dabei wird plötzlich ein klar umrissener Punkt angegeben, der besonders schmerzhaft und häufig nicht größer als 1 – 1,5cm im Durchmesser ist. Diese Punkte entsprechen sehr oft den Akupunkturpunkten und geben über deren Interpretation zusätzlich Hinweise auf beteiligte Organsysteme.

Punkte außerhalb der Meridianbahnen weisen über die zugeordneten Segmente bzw. Headschen Zonen auf beteiligte Strukturen und Organsysteme hin.

Kontraindikationen der Bienengifttherapie (BGT)

Eine Kontraindikation stellt selbstverständlich die angeborene oder erworbene Bienengiftallergie dar. Hierbei sollte jedoch genau geprüft werden, ob es sich nicht doch um eine Wespenallergie handelt. Eine bestehende Allergie kann über einen längeren Zeitraum mit homöopathischen Dosen von Apis mellifica bis hin zum reinen Gift desensibilisiert werden.

Weitere Kontraindikationen sind:

akute Hepatitis,

akute Nephritis

akute Pankreatitis,

insulinabhängiger Diabetes mellitus,

bestehende TBC oder Aids, Lues

allgemeine Kachexie und Schwäche, z.B. in der Rekonvaleszenz nach schweren Erkrankungen jeder Art

dekompensierte Herzschwäche, angeborene Herzfehler und Hypertonie mit mehr als 190mm/Hg systolischem Blutdruck

Bluterkrankheit

Kinder unter 5 Jahren

Schwangerschaft, es gibt mehrere Berichte, wonach es nach BGT zu Aborten kam

Alkohol- und Drogenmissbrauch

bei Psychosen

Außerdem sind Patienten von der Bienengifttherapie auszuschließen, die folgende Medikamente zu sich nehmen:

Betablocker (das sind kompetitive Hemmstoffe, die mit Adrenalin um die β-Rezeptoren konkurrieren;    im Falle eines allergischen Schocks wären die β-Rezeptoren des Herzens, evtl. auch unter der Notfallmedikation Adrenalin, nicht mehr ausreichend, um auf einen abfallenden Blutdruck zu reagieren

ACE-Hemmer sind wegen des beteiligten Bradikininsystems ebenfalls eine Kontraindikation;  (Unter ACE-Hemmer kommt es wahrscheinlich zu einem Anstieg des Bradykinins, das wiederum gefäßdilatierend wirkt und einem beginnenden Schock Vorschub leisten könnte)

Cortisontherapie kann die Bienengiftwirkung zum Teil aufheben und systemische Reaktionen auslösen, ebenso wie:

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)

Für den seltensten Fall, dass sich dennoch ein anaphylaktischer Schock anbahnt, müssen entsprechende Notfallmedikamente bereitstehen. Für leichtere Fälle reicht ein Antihistaminikum wie z.B. Fenistil od. ähnl. aus. Cortisonpräparate sind erst nach etwa 20-30 Minuten wirksam. Am schnellsten wirksam ist Epinephrin (Adrenalin)
als Fastjekt® Fertigspritze zur i.m.-Injektion in den Oberschenkel oder Epipen-Autoinjektor.

Im Ernstfall sollte jedoch der Notarzt gerufen werden.

Bienengift ist ein starkes und wertvolles Therapeutikum, aber kein Wundermittel und es bedarf viel Fingerspitzengefühl und Besonnenheit in der Anwendung. Man muss mit dem nötigen Respekt an die Sache gehen und für den Ernstfall gewappnet sein. Dies sind auch die Gründe, warum die Bienengifttherapie immer eine Außenseitermethode geblieben ist. Vielen Therapeuten war und ist das Risiko zu groß ist. Tatsächlich ist es relativ unwahrscheinlich, dass ein Zwischenfall passiert.

Fallbeispiel

Patientin, 37 Jahre, Schmerzen im LWS – Bereich.

Die Untersuchung ergab ISG – Blockade links und Lasegue – Zeichen links positiv bei 30°

Parese des Großzehenhebers links. Dies wies auf eine Protrusio im Bereich L4- L5 hin.

Der Hausarzt schrieb eine Überweisung in die Neurochirurgie, rezeptierte Diclofenac und verabreichte eine Cortisonspritze, was beides keine Besserung brachte.

Die Kernspin-Tomographie brachte den Befund: mittelgradiger li.medio-lateraler Bandscheibenprolaps bei L4/5 und zusätzlich höhergradige, degenerative Spinalkanalstenose in diesem Segment.

Nach Rücksprache mit einem Orthopäden räumte dieser die Möglichkeit einer alternativen Behandlung in einem Zeitfenster von 3-4 Wochen ein, in denen sich eine deutlich Besserung zeigen müsste, danach wäre eine OP unumgänglich. Ein OP-Termin wurde für den Fall der Fälle vereinbart. Dies war wichtig, da bei Fehlschlagen einer alternativen Therapie keine weiteren Wartezeiten mehr in Kauf genommen werden dürfen.

Immerhin ist durch die Kompression einer Nervenwurzel die Ernährung des Nerven beeinträchtigt und die Gefahr des partiellen Absterbens mit bleibenden Schäden gegeben.

Da die Patientin schon längere Zeit reinigende Tees zu sich nahm, stand einem sofortigen Beginn mit Bienengiftinjektionen nichts im Wege. Sie bekam nach einem Allergietest mit einer minimalen Dosis Bienengift von VeneX 10 + Procain 1% im Verhältnis 1:2, Gesamtmenge 0,1ml intrakutan in den Akupunkturpunkt Blase 52, auf Höhe des 2.LWK, 3PZ (4 Fingerbreit; 1PZ =1 Proportionalzoll und entspricht einer Daumenbreite der jeweiligen Person) neben der Wirbelsäulenmitte auf der Seite der größten Schmerzen.

Nach ca. 15 min. ohne pathologische Reaktion erhielt die Patientin weitere 4 Injektionen i.c. paravertebral im Bereich L4–L5. Am 3. und am 6. Tag wurden je 6 Injektionen mit Bienengift: Procain i.c. im Verhältnis 1:2 verabreicht.

Am 9. Tag erstmals 10 Inj. im Verhältnis 1:1. Dieses Verhältnis wurde im weiteren Verlauf beibehalten.

Der Zustand besserte sich augenscheinlich, die Beweglichkeit des Großzehenhebers nahm zu.

Die Dosis pro Inj. variierte zw. 0,05 -0,1ml Mischung.

Am 12. Tag 10 Inj. a 0,1ml ebenso am 15. Tag 10 Inj. die Beweglichkeit des Großzehenhebers verschlechtert sich wieder.

Die Behandlung wurde fortgesetzt, die Zahl der Injektionen bis auf 16 pro Sitzung erhöht und innerhalb von einer Gesamtbehandlungszeit von ca. 5 Wochen war die Patientin beschwerdefrei und die Kraft des Großzehenhebers wieder vollständig hergestellt.

Während der injektionsfreien Tage wurde außerdem zur zusätzlichen Schmerzlinderung Dolocyl-Öl und Apireven-Bienengiftsalbe auf verschiedene Punkte und flächig im LWS-Bereich aufgetragen. Die Patientin nahm außerdem täglich Biprolex zu sich, das die Bienenprodukte Honig, Propolis, Pollen und Gelee royal enthält. Zusätzlich wurde Berberis vulgaris D30 in Verbindung mit einer erhöhten Trinkmenge zur Ausschwemmung verordnet, um die bei jeder Gewebsverletzung vermehrt anfallenden, harnsauren Stoffwechselendprodukte auszuscheiden.

Injektionsstellen und Massagepunkte waren in der Regel Akupukturpunkte, sowohl Lokal- als auch Fernpunkte in der Regel beidseitig. Blase 22 – 28, 31,32 und Blase 51 und 52, Gouverneursgefäß 2-4 als lokale Punkte, sowie Blase 56 und 57, Gouverneursgefäß 14, Dünndarm 3, Magen 36, Galle 34 als Fernpunkte.

Injiziert wurde im Laufe der Behandlung an den Halswirbeln C5-C7, da diese sehr häufig an Fehlstellungen im unteren LWS-Bereich beteiligt sind. Unterstützend wurde Krankengymnastik, Osteopathie, manuelle HWS-Mobilisation und Fußreflexzonenmassage angewendet.

Literatur:

 

Beck, Bodog, The bible of bee venom therapy

Boericke, William - Materica medica

Buhner, Stephen Harrod - The use of Apis and Bi -EDTA in the treatment of Lyme disease

Clarke, John Henry, M.D. - Materia Medica

Dosch, Peter - Lehrbuch der Neuraltherapie nach Huneke

Kent, J.T. - Repertory

Krack, Nils - Segment-Diagnostik und Segment-Therapie

Mezger, Julius - Gesichtete homöopathische Arzneimittellehre

Netter, Frank H. - Neurologie I – Neuroanatomie und Physiologie

Potschinkova, Pavlina - Handbuch der Apireflextherapie

Steiner, Rudolf - Über das Wesen der Bienen

Spektrum Akademischer Verlag, Lexikon der Biochemie

Urtubey, Nestor Prof. Apitoxin – from bee venom to apitoxin for medical use

Vetter, Richard S. und Visscher, P. Kirk, Bites and Stings of medically important venomous arthropods;

International Journal of Dermatology, volume 37, page 481-496, July 1998,

Yourish, Naun - Curative Properties of Honey and Bee Venom

 

       

       

                       

 

 

 

 

   
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